Arbeitsgruppe Brasilien

Sa 15.08.2020 : Mahnwache Brasilien
12-15 Uhr | Darmstadt Fußgängerzone | Nördlich Weißer Turm

Die Corona Pandemie betrifft jeden, aber auf unterschiedliche Weise. Die Ungleichheiten, die Brasilien kennzeichnen, führen dazu, dass bestimmte Gruppen einem größeren Risiko ausgesetzt sind, krank zu werden und die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen zu erleiden : Bewohner von Elendsvierteln, Menschen in Gefängnissen, Obdachlose, Migranten, die schwarze Bevölkerung, indigene Völker. Für einige Völker droht gar ein Völkermord, und das in einer Zeit, in der die „Beschützer des Regenwaldes“ auch uns eine Chance zum Überleben in der Klimakrise offen halten. Daher fordern wir insbesondere eine gleiche und nichtdiskriminierende medizinische Behandlung und Gesundheitsfürsorge für alle. – Wir beteiligen wir uns an einer Kampagne von Amnesty Brasilien. Hier ein kurzes Video mit den Forderungen der Kampagne.

Gleichzeitig wollen wir auch wieder an Marielle Franco zu erinnern. Die Menschenrechtsverteidigerin und Kommunalpolitikerin Marielle Franco setzte sich unermüdlich für die Menschenrechte von Minderheiten ein und kritisierte das Vorgehen der Militärpolizei in den Straßen von Rio de Janeiro. Am 14.3.2018 erschossen Unbekannte die Stadträtin und ihren Fahrer, Anderson Gomes, in ihrem Auto. Marielle Franco war eine schwarze bisexuelle Frau aus einer Favela. Sie wurde 2016 zur Stadträtin von Rio de Janeiro gewählt. Zuvor war sie von 2006 bis 2016 in der Menschenrechtskommission des Bundesstaates Rio de Janeiro tätig. – Wir greifen damit die Aktionsvorschläge von QueerAmnesty auf und tun das bewusst an dem Tag, an dem in Darmstadt der Christopher Street Day gefeiert werden sollte.

Eine 14-Stunden-Aktion von Amnesty Brasilien am 14.3.2020 auf Straßen und Stränden von Rio zum zweiten Todestag von Marielle Franco – c: Anistia Internacional Brasil

 

Die Corona Zeiten waren und sind für uns anstrengend. In vielen Ländern stehen die Dinge aber wesentlich schlimmer. In Brasilien können sich nur wenige Reiche die Versorgung leisten, die wir für selbstverständlich erachten. In Manaus in Amazonien ist das Gesundheitssystem schon vor Wochen zusammengebrochen, dasselbe droht in Sao Paulo.

Besonders betroffen sind die verschiedenen indigenen Völker, denen gar die Vernichtung droht. Wir haben drei Briefe erstellt, die die Verantwortlichen in Brasilien an die dramatische Situation erinnern und zum schnellen Handeln auffordern. Das gilt auch für die Aufklärung von zwei Morden mit politischem Hintergrund.

Die Briefe haben wir in verschiedene Verteiler gegeben, auch im privaten Umfeld sind die Amnesties der Arbeitsgruppe aktiv geworden. Wir erwarten, dass 1000 oder mehr Briefe in diesen Wochen nach Brasilien geschickt werden. Darüber werden die Botschaft Brasiliens in Berlin sowie die Generalkonsulate in Frankfurt und München informiert.

Wir freuen uns, wenn weitere Briefe nach Brasilien versandt werden !
Wir wissen aus langjähriger Erfahrung, dass eine wache Öffentlichkeit und viele Briefe immer wieder etwas bewegen. Vielen Dank für Ihr Engagement.

Brasilien_Briefe_Hintergrund

Brasilien_Brief_Marielle_Franco
Brasilien_Brief_Appell_Salgado
Brasilien_Brief_AUEWW

Die Arbeitsgruppe Brasilien hat sich 2014 gegründet. Anlass waren die Berichte über die Situation im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft. Die Arbeitsgruppe besteht zur Zeit aus sieben Aktiven, die sich für die Menschenrechtssituation aber auch für die Kultur, die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, die gesellschaftliche Stimmung und die Menschen in Brasilien interessieren.

Wir treffen uns regelmäßig und tauschen uns zu den neuesten Informationen zu Brasilien und zu den Personen und Themen aus, die wir begleiten. Wir erstellen Petitionen, Briefe an die Verantwortlichen in Brasilien, den Vertretungen in Deutschland und deutschen Politikern im Bundestag und im europäischen Parlament; wir bereiten öffentliche Aktionen vor und knüpfen Kontakte zu Journalisten im Land und zu Vertretern anderer Gruppen, die zu Brasilien arbeiten. Unsere Informationen erhalten wir über die Koordinationsgruppe Brasilien der Sektion Deutschland, die diese wiederum über Amnesty International in London erhält, wo die Informationen der in Brasilien tätigen sog. Researcher aufbereitet werden.

Zur Zeit arbeiten wir schwerpunktmäßig zu folgenden Personen:

Marielle Franco, Am 14. März 2018 wurde die Abgeordnete des Stadtrates von Rio de Janeiro und Verteidigerin der Menschenrechte Marielle Franco, 38 Jahre, im Stadtviertel Estácio im Zentrum von Rio de Janeiro erschossen. Marielle war eine herausragende Menschenrechtsverteidigerin in Rio de Janeiro, und war bekannt für ihren unermüdlichen Einsatz in der Stadt und im Großraum Rio de Janeiro. Schon Jahre bevor sie in den Stadtrat gewählt wurde, zeigte sie engagiert Menschenrechtsverletzungen auf, insbesondere jene gegen schwarze Jugendliche, Frauen und LGBTPersonen, sowie Verbrechen durch die Polizei und außergerichtliche Hinrichtungen.
https://anistia.org.br/entre-em-acao/email/quem-matou-e-quem-mandou-matar-marielle-investigacao-devem-continuar/ Aktuelle Petition!
https://anistia.org.br/entre-em-acao/email/acao-urgentejustica-para-marielle/
https://www.amnesty.de/gerechtigkeit-fuer-marielle-franco
https://anistia.org.br/anistia-em-acao/marielle-semente/

Guarani Kaiowá Gemeinde Apika’y, sie haben am 2013 eine Zuckerrohrplantage im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul besetzt, die sich ihren Aussagen zufolge auf angestammten Ländereien ihrer Gemeinschaft befindet. Seit der Besetzung wird die indigene Gemeinschaft von bewaffneten Mitarbeiter_innen eines privaten Sicherheitsdienstes bedroht, der auf der Plantage tätig ist. Wir fordern umfassende und unparteiische Untersuchung der Drohungen gegen die Angehörigen der indigenen Gemeinschaft der Guarani-Kaiowá aus der Gemeinde Apika’y durchzuführen.
https://www.amnesty.de/briefe-gegen-das-vergessen/2015/4/brasilien-angehoerige-der-guarani-kaiowa-aus-der-gemeinde-apikay

Jorge Lázaro Nunes dos Santos, zwei seiner sieben Kinder wurden getötet. Ricardo Mattos dos Santos, der älteste Sohn, verließ am 22. Januar 2008 das Haus, um mit seinen Freunden Fußball zu spielen. Er war mit den anderen jungen Männern auf dem Fußballfeld, als ein Auto vorbeifuhr, aus dem auf den Freund von Ricardo, der gerade Fußball spielte, geschossen wurde. Die Männer in dem Auto waren auf der Suche nach zwei Männern, die verdächtigt wurden, das Fahrrad des Sohnes eines pensionierten Offiziers der Militärpolizei gestohlen zu haben. Ricardo und sein Freund Robson de Souza Pinho wurden getötet. Während Ricardo um sein Leben flehte und sagte, dass er nicht zu denjenigen gehöre, nach denen die Angreifer suchten, wurde er von fünf Schüssen getroffen. Nach einer Untersuchung im März 2011, beschuldigten die Staatsanwälte drei Offiziere der Militärpolizei des Verbrechens. Aber drei Jahre nachdem sie angeklagt und sechs Jahre nachdem die außergerichtliche Erschießung stattgefunden hat, ist der Fall immer noch nicht vor Gericht gebracht und niemand zur Rechenschaft gezogen. Am 10. März 2013 wurde Enio Mattos dos Santos, ein anderer Sohn von Jorge Lázaro, aus seinem Zuhause entführt und von Unbekannten erschossen. Er war 19 Jahre alt. Die Umstände seines Todes sind noch unbekannt. Jorge Lázaro hatte für Enio 2011 um eine Aufnahme im Nationalen Programm für Kinder und Erwachsene, die vom Tode bedroht sind (PPCAM), beantragt. Mit dem Argument, dass er nicht bedroht sei, weigerte sich die Programmverwaltung ihn aufzunehmen. Am 10. Juli 2016 wurde Denilson Mattos dos Santos (seinerzeit 18 Jahre alt) zwischen 20.00 und 21.00 Uhr in der Hauptstraße der Region auf dem Weg nach Hause angeschossen. Wir fordern eine gründliche und effektive Untersuchung der Tötungen von Ricardo und Enio, wobei die Täterinnen und Täter vor Gericht gebracht werden sollen und die Familien in beiden Fällen einen angemessenen Schadensersatz, einschließlich Entschädigung und Rehabilitation, erhalten sollen. Gleichzeitig fordern wir die Aufklärung der Ereignisse im Juli 2016 und einen wirksamen Schutz der Familie.

Personen, zu denen wir gearbeitet haben:

Alexandre Anderson de Souza, dem Präsident der Fischereigewerkschaft Associação Homens e Mulheres do Mar (AHOMAR), die ihren Sitz im Verwaltungsbezirk Magé am Praia de Mauá hat. Wir fordern, umfassende Schutzmaßnahmen für die mit Morddrohungen konfrontierten Alexandre An-derson de Souza und Daize Menezes de Souza zu ergreifen. Außerdem fordern wir Untersuchungen zu den Drohungen und Angriffen gegen AHOMAR-Mitglieder sowie zu den vier Todesfällen durchzuführen und fordern, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.
https://www.amnesty.de/briefe-gegen-das-vergessen/2013/1/brasilien-alexandre-anderson-de-souza
Für ihn persönlich ist der Einsatz von Amnesty International – so unsere Einschätzung – erfolgreich gewesen, Alexandre Anderson de Souza und seine Familie erhalten umfassenden Schutz und Unterstützung seitens des brasilianischen Staates. Leider sind die Fälle der ermordeten Fischer der AHOMARGewerkschaft nicht aufgeklärt, die Ermittlungen laufen immer noch und werden von Amnesty International Brasilien beobachtet.
https://anistia.org.br

Laísa Santos Sampaio, einer Lehrerin, die in einer kleinbäuerlichen Gemeinschaft von rund 350 Personen in Nova Ipixuna im brasilianischen Amazonasgebiet lebt. Ihre Gemeinschaft lebt von der nachhaltigen Nutzung eines der letzten intakten Regenwaldgebiete der Region und wehrt sich gegen die weit verbreiteten Waldrodungen und gegen die illegale Abholzung. Sie erhalten Morddrohungen, ihre Schwester und ihr Schwager wurden 2011 ermordet. Wir fordern eine Untersuchung zu den Drohungen und den Todesfällen und einen wirksamen Schutz der in der Gemeinschaft lebenden Menschen. Für ihn persönlich ist der Einsatz von Amnesty International – so unsere Einschätzung – erfolgreich gewesen, Laísa Santos Sampaio erhält, so unsere Informationen, hinreichenden Schutz durch den brasilianischen Staat.

Wie wir arbeiten:
An Informationsständen, aber auch durch Vorträge etwa im Weltladen Darmstadt oder in der Hochschule Darmstadt und im Rahmen von Mahnwachen an öffentlichen Plätzen in Darmstadt machen wir auf die Menschenrechtssituation in Brasilien und unsere Arbeit aufmerksam. Daneben haben wir Kontakt zu dem Journalisten Wolfgang Kunath, der Alexandre Anderson de Souza besucht und über seine Situation berichtet hat.
http://www.berliner-zeitung.de/politik/brasilianischer-mineraloelkonzern-petrobras-morde-und-mobbing-ueberschatten-brasilien,10808018,29925578.html

Links:
https://anistia.org.br/
http://www.amnesty-brasilien.de
https://www.amnesty.de/informieren/laender/brasilien
https://www.kooperation-brasilien.org/de

Kontakt:
Wir freuen uns auf Interessentinnen und Interessenten. Wenn Sie Fragen zu unserer Arbeit haben oder selbst aktiv mitarbeiten möchten, melden Sie sich bitte unter
Stefan Weisenseel
stefan.weisenseel@t-online.de
Tel. 06151-6066295

Zurückliegende Veranstaltungen:

• 14. März 2019, Mahnwache anlässlich des ersten Todestages von Marielle Franco am Weißen Turm in Darmstadt

     

• 8. März 2019, Infostand zum Internationalen Frauentag auf dem Luisenplatz in Darmstadt. Vorstellung von Menschenrechtsverteidigerinnen weltweit. Schwerpunkt, Marielle Franco

• 17. November 2018, Infostand zu Menschenrechtsverletzungen in Brasilien auf dem Luisenplatz in Darmstadt zur Wahl von Jair Bolsonaro und zum Tod von Marielle Franco (siehe oben)

• 11. Mai 2017, TUD Filmkreis und Amnesty AG Brasilien zeigen „Count-down am Xingu V“, anschl. Diskussion mit Regisseur Martin Keßler, Amnesty und Greenpeace im Audimax.
Einladung

• 6. August 2016, Infostand zu Menschenrechtsverletzungen in Brasilien auf dem Luisenplatz in Darmstadt anläßlich der Eröffnung der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.
Hier finden Sie einen aktuellen Presseartikel.

• 29. Mai – 23. Juni 2016, Ausstellung „Terra“ des Fotografen Sebastião Salgado im Offenen Haus Ev. Forum Darmstadt, Rheinstr. 31. Die Ausstellung entstand zur Erinnerung an das Massaker in „Eldorado do Carajás“, bei welchem 1996 19 Landlose auf einer Protestkundgebung von der Militärpolizei getötet wurden.
Hier finden Sie das Programm des Offenes Hauses und die Einladungspostkarte.

• 23. Juni 2016, Finissage Ausstellung „Terra“ des Fotografen Sebastião Salgado mit Musik von Heitor Villa-Lobos. Solistin Gvaneta Betaneli.

• 21. Juni 2016, Filmvorführung „Olga Benario, Ein Leben für die Revolution“, eine Dokumentation über das Leben der deutschen Kommunistin Olga Benario, die 1936 in Brasilien wegen Hochverrats verhaftet, nach Deutschland ausgeliefert und 1942 in einem Vernichtungslager ermordet wurde. Ort: Offenen Haus Ev. Forum Darmstadt, Rheinstr. 31

• 16. Juni 2016, Vortrag Wolfgang Hees, Freunde der Bewegung der Landlosen (Movimento dos Sem Terra, MST). Ort: Offenen Haus Ev. Forum Darmstadt, Rheinstr. 31
Themen: Pädagogik der Landlosenbewegung/sozialen Bewegungen in Brasilien, Agrarfrage in Brasilien, Optionen des ökologischen Landbaus als nachhaltige Strategie, Geschichte der der Bewegung der Landarbeiter ohne Boden (portugiesisch Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra), häufig kurz Bewegung der Landlosen (Movimento dos Sem Terra), abgekürzt MST, Agrotreibstoffen und Menschenrechtsverletzungen an Kleinbauern und Indigenen.

• 7. Juni 2016, Filmvorführung „Das Salz der Erde“, ein Dokumentarfilm über das Leben und Werk des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado in der Ko-Regie von dessen Sohn, Juliano Ribeiro Salgado, und Wim Wenders. Ort: Offenen Haus Ev. Forum Darmstadt, Rheinstr. 31

• 3. Juni 2016, Vortrag Phyllis Bußler, Amnesty International Deutschland, Koordinationsgruppe Brasilien, aus Köln und Nop Duys, Amnesty International Niederlande, Regionalkoordinator Lateiamerika / Brasilien, aus Amsterdam über die aktuelle Menschenrechtssituation und das Impeachment-Verfahren in Brasilien. Ort: Offenen Haus Ev. Forum Darmstadt, Rheinstr. 31

• 29. Mai 2016, Vernissage Ausstellung „Terra“ des Fotografen Sebastião Salgado im Offenen Haus Ev. Forum Darmstadt, Rheinstr. 31., mit der Samba-Band SAS (Samba am Sonntag)
Einladungspostkarte.
Pressemitteilung
 



 

• 10. Mai 2016, Vortrag Wolfgang Kunath, Journalist in Rio de Janeiro, tätig u.a. für die Berliner Zeitung, die Frankfurter Rundschau und die Stuttgarter Zeitung, über die Situation in Brasilien im Vorfeld der Olympischen Spiele 2016, im Offenen Haus Ev. Forum Darmstadt, Rheinstr. 31
Pressemitteilung

Wolfgang Kunath (sitzend) und Eberhard Wenzel (Amnesty)

• 10. Oktober 2015, Menschenrechtsverletzungen in Brasilien im Vorfeld der Olympischen Spiele 2016, Mahnwache am 10. Oktober 2015 am Weißen Turm in Darmstadt
Pressemitteilung
 

• 14. Juni 2014, Fußball-WM in Brasilien und Menschenrechtsverletzungen, Vortrag und Diskussion mit Phyllis Bußler, Amnesty International, Köln in der Hochschule Darmstadt, Glaskasten, AStA der Hochschule Darmstadt, Campus Darmstadt, Schöfferstraße 3
Pressemitteilung
 

• 13. Juni 2014, Fußball-WM in Brasilien und Menschenrechtsverletzungen, Vortrag und Diskussion mit Phyllis Bußler, Amnesty International, Köln, im Weltladen Darmstadt, Elisabethenstr. 51
Pressemitteilung
 

28. Juli 2020